Von Angst befreit

“Ich bin jetzt 36 Jahre alt. Mein Leben war geprägt von täglicher Angst und Panik, seit ich denken kann. Ich weiß, dass vieles in meiner Geschichte nicht schön war. Die Gefühle in mir waren teilweise noch nicht gelöst und geheilt. 2006 erfuhr ich, dass an mir eine Abtreibung vorgenommen wurde, als ich durch Missbrauch durch den Stiefvater schwanger war. Ich wusste Zeit meines Lebens nie, woher diese ständige Traurigkeit, Schwere, Sinnlosigkeit und Trägheit kam, unter der ich litt. Mit 15 wollte ich am liebsten nur noch sterben. Heute weiß ich, dass man mir viele Medikamente gab, damit ich vergesse! Äußerlich baute ich mir dank Gottes Hilfe dann doch ein Leben auf, aber ich spürte immer wieder, wie ich im Alltag ständig ins “Loch” fiel. Vor allem von montags bis mittwochs war ich oft nicht belastbar oder sehr gereizt und aggressiv. Ich hatte einen unglaublichen Männerhass, tiefe Verachtung mir selbst gegenüber, und Wut auf Frauen im Allgemeinen. Zornesausbrüche kamen wie aus dem Nichts, oder wurden durch eine Kleinigkeit ausgelöst. Alles war für mich nur ein Kampf. Die Vorstellung, ein Kind zu bekommen, trieb mir Ängste hoch. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, ich kann machen, was ich will, aber in meinem Bauch sitzt etwas wie ein unterschwelliger Knoten oder Stein. Mal mehr, mal weniger, aber er war nie ganz weg.

Die Abtreibung damals war als Blinddarm deklariert worden, und der Klinikaufenthalt und die OP waren von Montag bis Mittwoch. Aber immer, wenn mich jemand auf das Thema “Kinder” ansprach, reagierte ich allergisch. Wenn ich etwas von Abtreibung hörte oder las, war ich der felsenfesten Überzeugung, dass mich das nicht betraf, da ich immer dachte, das geht nur Frauen etwas an, die ganz bewusst und aktiv selber abgetrieben haben. Meinen Körper mochte ich nie, und ich hasste mich selbst, weil ich so dick bin. Ich lehnte die Brust und den Bauch total ab und spürte nur Aggression, wenn ich mich damit befassen sollte, z.B. durch Gymnastik. Also machte ich einfach keinen Sport! Ich vermied einfach meinen Körper, so gut es ging.

Des Weiteren hatte ich immer das Gefühl, als ob mein Unterleib unterhalb des restlichen Körpers abgetrennt wäre. In mir stiegen Ängste auf. Ich hatte schon so viel ausprobiert – Traumatherapie, Seelsorge, usw. Auch bei Christen fand ich oft nur Menschen, die meinten: “Man müsse nur beten und dann alles hinter sich lassen”. Aber das alles half nichts, und so war ich voller Angst, was mich erwarten könnte. Bevor ich von Rachels Weinberg erfuhr, waren wir an einem Ort in Schönstatt und dort begegnete mir das Wort: “Ja, Vater”. Ein Vertrauen, dass alles, was mir über den Weg läuft, von Gott kommt. So überwand ich mich, mit meinem Mann zu sprechen. Wir beteten darüber und meldeten uns beide in Rachels Weinberg an. Denn es war klar: so wie bisher konnte es nicht bleiben, denn unsere Ehe brauchte dringend eine Wende, sonst hätte ich es nicht mehr ausgehalten. Ich spürte schon seit ein paar Jahren: “Wenn nicht irgendetwas passiert, halte ich das nicht mehr durch.” Mein Mann hatte mich immer nur ignoriert und übergangen. Ich musste schreien, um gehört zu werden – es war alles wie ein Teufelskreis. Und dennoch fühlte ich mich dabei genauso, wie ich mich als Kind schon immer gefühlt hatte, und wie ich mein Zuhause erlebt hatte.

Gott hat Humor. An unserem 5. Verlobungstag waren wir in Rachels Weinberg. Ich sah Gottes Handschrift dahinter. Die Tage der Einkehr waren hart, aber so gut! Die vorhergehende Beschreibung war das “Vorherfoto” meines Seelenzustandes vor Rachels Weinberg.

Zum 1. Mal in 36 Jahren erlebte ich, dass ich meinen Körper bis in die Fußsohlen spürte! Das ist ein total neues Lebensgefühl für mich. Ich spüre Ruhe, Frieden im Bauch, tief im Bauch; und ich habe keine Angst mehr, durchzuatmen! Zum ersten Mal gehe ich nicht erst aus dem Haus, wenn es dunkel ist, sondern kann “normal” meinen Alltag angehen, kann einkaufen gehen, und zu mir stehen, auch mit meinen 30 Kilo Übergewicht. Morgens freue ich mich jetzt auf den vor mir liegenden Tag. Die Ängste, die Sorgen über das, was kommen könnte, oder dass ich wieder ins Loch fallen könnte, sind komplett weg! Wenn ich jetzt mit meinem Mann rede, werde ich angehört und ernst genommen, ohne schreien zu müssen. Wir können ruhig und normal miteinander reden, mein Mann geht mehr aus sich heraus. Auch er fängt an, an seiner Geschichte zu arbeiten und es zuzulassen, dass da auch nicht alles “ok” war, wie er immer dachte. Ich kann mir zum ersten Mal mit innerer Freude vorstellen, Mutter zu werden, ohne die Angst, es nicht schaffen zu können. Wenn ich jetzt Babybilder oder Kinder sehe, ist da keine Wehmut und kein Schmerz mehr – sondern ich freue mich einfach. Tiefer innerer Frieden. Es ist etwas zur Ruhe gekommen, ist gestillt. Mein Mann und ich haben die Vorurteile gegenüber dem Wort “Therapie” ablegen können. In Rachels Weinberg wurde die Liebe Jesu nicht gepredigt, sondern gelebt!

Ja, alles, was Gott an einem tut, wirkt durch den Menschen weiter. Und alles, was Gott einem schenkt, gibt man dann auch auf ganz andere Weise weiter, als wenn man nur davon gehört hätte. Ich fand es so toll, dass ich, so wie ich war, von euch angenommen wurde – und mein Mann auch. Das allein hat schon unseren Blick füreinander verändert. Ja, jetzt haben wir wieder Zuversicht. Und er meinte auch: “Wenn das Therapie war, dann habe ich nichts gegen Therapie.” Das tollste ist einfach, diesen Frieden zu spüren, bzw. den Körper bis zu den Füßen zu spüren und keine Angst mehr beim Atmen zu haben.  Jetzt ist endlich auch das geschehen, wofür ich seit 5 Jahren bete, nämlich, dass mein Mann sich mehr und mehr öffnet, und das ist genial. Ich merke einfach, dass in mir tief drinnen eine Stabilität ist. Im Alltag ist es jetzt viel leichter, seit dieser Stein weg ist. Ich habe neue Hoffnung – es gibt einen Weg aus dem Leid heraus – und ich hoffe, dass Andere sich ebenfalls danach ausstrecken.“

— Eine Teilnehmerin

Wir helfen weltweit. Fürsorglich. Fachlich kompetent.

Wir helfen bei Trauer und seelischem Schmerz nach Abtreibung. Ihre Spende ermöglicht unsere Arbeit. Herzlichen Dank.

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